Wie war es die Verantwortung zu haben von der zweiten Ukraine Evakuierung?

Irgendwie bin ich nach der ersten Tour in der Thematik stecken geblieben. Wir haben uns mit ein paar Fahrer*innen zusammensetzt und dann hieß wir machen es auf den Namen one change one future. Trotzdem haben wir zum Zeitpunkt der Planung noch mit einer anderen Stiftung gearbeitet, denn diese waren schon oft dort und hatten die Kontakte. Wir sollten am Anfang nur Fahrzeuge, Spritkosten und Hilfsgüter zusammen zu bekommen. Alles andere war laut der anderen Stiftung deren Aufgabe. So deswegen machte ich mich auf die Suche nach Fahrzeugen. Leute ihr könnt euch das nicht vorstellen wie viel Arbeit das ist. Eigentlich wäre ich damit schon genug beschäftigt. Wir haben alle nach Fahrzeugen gesucht, doch es war sehr schwierig. Spritkosten habe ich Gottseidank schnell zusammen bekommen aufgrund eines kleinen Unternehmens der uns unterstützen wollte. Ohne das Unternehmen Galvani GmbH hätten wir diese Tour nicht angehen können. Viele vergessen die Spritkostenn. Ein Wagen braucht ca. 400 euro und das ist verdammt viel Geld. Ich denke für die nächste Tour wird es schwieriger Spritkosten zu erhalten. Da sind wir eigentlich auf Unternehmen angewiesen, weil diese höhere Summen spenden. Aber natürlich freuen wir uns über jeden Betrag den wir bekommen. 

Gleichzeitig habe ich einen Spendenaufruf gestartet für Hilfsgüter. Dort hat das Unternehmen auch fleißig gesammelt, SOS Kinderdorf hat uns ausgestattet und ein Kontakt, der auch in der Ukraine war und noch etwas übrig hatte. 

Gottseidank haben wir ein Lager in Essen, sonst hätte ich die ganzen Sachen nicht lagern können. Das war schon wirklich sehr viel.

Fun fact: 

Als wir in den Planungen steckten war ich der festen Überzeugung, dass wir am Osterwochenende fahren und ich hatte die Fahrzeugzusage auch für Ostern. Dann wollten wir ein nächsten Zoom Meeting ausmachen und ich hatte den Freitag vor dem Osterwochenende vorgeschlagen, das ich davon ausging wir haben noch eine Woche. Bis mir dann das Ukraine Team gesagt hat, dass wir da fahren. Als erstes haben sie geglaubt ich mache ein Witz, doch es war keiner. Im Enddefekt haben wir uns entschieden am Osterwochenende zu fahren. (Uns blieb auch nichts anderes über) Aber das hieß wir hatten noch eine Woche zeit zum organisieren und die haben wir defitniv gebraucht. 

SO die letzte Woche brach an und es wurde immer unübersichtlicher mit der Stiftung mit der wir zusammen gearbeitet haben. Im zoom Meeting wurde eine Stunde geredet, aber ohne wirklichen Ansagen und Infos. Es wurde von hier nach da gesprungen. Ich habe den ganzen Braten nicht getraut, also suchte ich eigene Kontakte, um meine Hilfsgüter dahin zu bringen. Das ging ziemlich schnell. Ich habe den Kontakt von einer ukrainischen Frau bekommen, die mir Kontakte in Lviv schickte. 

Einmal habe ich den Kontakt von dem Chefarzt einer Psychiatrie erhalten und dem Leiter der Oper in Lemberg. Ich habe sie angeschrieben und sofort habe ich eine Antwort erhalten und wir konnten etwas aus machen und ich wusste, dass da die Hilfe wirklich kam. 

So dann war ka. Freitag und es ging  los und die Unordnung von der Stiftung haben wir dort am meisten gespürt. Es wurde immer hin und her gesagt, mal hieß es ja wir bekommen Spritkosten mal nicht. Das war aber kein Problem, weil ich davon ausgegangen bin, dass die Fahrer*innen die von Stuttgart (von der Stiftung) kommen alles wissen. Mit diesen haben wir uns in Dresden getroffen. Diese hatten auch ein wenig Hilfsgüter dabei. Dann machten wir uns auf den Weg nach Polen. 

Ach ihr wisst ja gar nicht mit wie vielen wir unterwegs waren. 

Wir waren 6 Busse von meiner Organisation und 2 von der anderen Stiftung. So es ging nach Polen und wir kamen ca. 1 Uhr nachts im Hotel an. Ich war hundemüde. Ihr müsst euch auch noch vorstellen, dass ich leider eine Mutter und ein kleines Kind wieder mit in die Ukraine mit nehmen musste, weil sie unbedingt zu ihrem toxischen Freund zurück wollte. Aber dazu später mehr. Aufjedenfall habe ich mich mit denen ein Hotelzimmer geteilt. Jede*r Fahrer*innen hat die Nacht und die Verpflegung selbst bezahlt. Am nächsten Tag habe ich natürlich verschlafen… ich habe den Wecker überhaupt nicht gehört. Dann wurde aber an unseren Zimmer geklopft und ich habe aufgemacht. Dann am Frühstückstisch haben wir alles versucht zu planen. Meine Sachen standen und war super. Ja dann gab es im Stress plötzlich Anrufe von der Chefin der Stiftung, jedem wurde etwas anderes gesagt und das Problem bei der Sache war, dass wir die Autos für die Ukraine vorbereiten mussten. Das bedeutet Schilder an die Autos kleben, Packlsite auslegen (Für die Grenzkontrolle was alles im Wagen drin ist) unsere Westen bekleben(Damit man weiß Wirt gehören zusammen), Funkgeräte verteilen und auschecken. Also sehr stressig. Dann kamen immer wieder anrufe und man musste im Stress immer wieder neue Anweisungen hören. So dann sind wir zu einem Standort gefahren, dort waren weitere Hilfsgüter von der Stiftung. Ja da gab es das Missverständnis. 

Der Mann vor Ort wusste auch nicht wirklich bescheid. Uns wurde gesagt, dass wir die Medikamente zu einem Krankenhaus bringen sollen und die anderen Lebensmittel können wir für unsere Zwecke benutzen. (Im nach hinein war das alles jedoch falsch wie sich aber erst nach dem Trip heraus gestellt hat) 

Egal wir haben alles eingepackt und ab ging es zur Grenze. Jedoch sind nicht alle mit gefahren, ein paar sind im Polen geblieben und haben In Flüchtlingslagern Geflüchtete Menschen organisiert, die wir mit nach Deutschland nahmen. An der Grenze hatten 2 Fahrzeuge von uns sehr Glück sie kamen ohne Kontrolle durch. Ich und die anderen leider nicht. Wir wurden komplett durchsucht, mit Hund etc. Das hat natürlich ein paar Stunden gedauert. Naja egal. An der Grenze ist es auch nochmal so, dass du von Polen und von der Ukraine durchsucht wirst, weil Ukraine ja nicht zur EU gehört. Das dauert dann noch umso länger. Und es sehr unorganisiert. Man muss Zufuss zu drei Schaltern, um Stempel zu bekommen. 

Und oft wirst du von Schalter zu Schalter geschickt und du verstehst nicht wieso, weil Englisch dort nicht so viel gesprochen wird und sie einfach nur sagen geh dahin und denen ist egal, ob man dann sagt da war ich schon. Sie machen das Fenster zu und gut ist. 

Naja nach ein paar Stunden waren wir dann in der Ukraine. Ihr müsst wissen ich habe dort kein Netz. Zwei Fahrer hatten zum Glück Netz, sonst wären wir aufgeschmissen. Die Autobahnen sind dort sehr kaputt. Wir haben leider auch zwei Reifenkappen verloren. Natürlich konnten wir mitten auf der Autobahn nicht anhalten und die wieder holen. Ich denke aber das ist das geringste Problem. Unsere erste Station war in der Oper von Lemberg. Als wir ankamen waren schon sehr viele Menschen da, um uns zu helfen die Bullis auszupacken. Es ging sehr schnell. Sie wollten zu erst mein Wagen auspacken, obwohl meiner nicht an dieser Station ausgepackt werden sollte. Also haben wir alles wieder reingepackt und die anderen Bullis geholt. Ich habe währenddessen mit dem Opa Leiter mit einem Übersetzer geredet. Er war leicht überrascht, verständlich, weil plötzlich ein Mädchen kommt mit vielen Hilfsgütern. Er fragte mich genau wo ich will, wohin die Hilfe geht. Ich habe ihm gesagt, dass ich es für gut halten würde, wenn sie in die Kriegsdfront gehen, denn da wird es am dringen gebraucht. Dann hat er mir erklärt, welche Sachen dort benötigt werden. Zum Beispiel Babyartikel werden im Osten nicht mehr benötigt, weil dort kaum noch Babys vor Ort sind. Er erzählte mir auch dass momentan so viel Hilfe kommt , doch viele Sachen werden wieder zurückgeschickt, weil sie einfach. Nicht gebraucht werden. Und das ist mir auch aufgefallen. Jeder will sein Schrott aus dem Keller loswerden. Ihr wisst nicht wie viele mir geschrieben haben, ob ich auch alte Kleidung brauche. Jetzt im Ernst, nein. Das wird eher hier gebraucht, dort werden Lebenswichtige Dinge benötigt wie Medikamente und Nahrung. Dann habe ich ihn gesagt, dass ich natürlich nur die Sachen in den Osten bringen möchte, die auch gebraucht werden. Die Babynahrung wird eher in Lemberg benötig, weil dort jetzt viele Kinder geflüchtet sind. Diese Sachen wurden auch zu einer Schule gebracht in Lemberg. Diese Schule hat geflüchtete Kinder aufgenommen  und natürlich werden dort die Sachen gebraucht. Die anderen Sachen wurden in der Woche darauf abgeholt und nach Khakiw gebracht. 

Während des Ausladen und dem Gespräch gab es ein großes Problem. Eigentlich hatte ich geplant, dass die Mutter und die Tochter bei der letzten Station eingesammelt wird, damit ich mit ihrem Freund in Ruhe reden kann und sie zu Vernunft bringen kann, allerdings hat sie ihren Freund schon die Adresse geschickt wo wir waren. Und da ich sie nicht einfach gehen lassen wollte, hatte ich das Kind die ganze Zeit auf dem Arm und habe mit ihr gespielt. Ich bin so froh, dass die Kleine die ganze Zeit mit mir gespielt hat und ihren Spass hatte, denn dann hat sie die Situation nicht mitbekommen. Der Freund kam aus dem nichts und ist auf mich los gegangen und wollte mir das Kind aus der Hand reißen. Dann habe ich um Hilfe geschrien und es kamen welche. Natürlich wollten die Menschen da kein stress. Ich ja auch nicht. Der Freund konnte kein Englisch also habe ich den Übersetzer gebeten mir zu helfen. Doch er wollte nicht. Ich wollte das Kind nicht geben, da das Kind auch schon in Deutschland registriert war und ich habe auf der Fahrt gesehen wo sie leben würde. In einem Haus mit 6 Betten doch da haben 17 Menschen schon geschlafen, keine Heizung, auf Hilfsgüter angewiesen und die sind mit einem Transporter gekommen ohne Sitze. Ich habe versucht ihn zu erklären, dass sie in Deutschland besser aufgehoben ist. Doch er war agressiv und meinte mich mit Tritten das Kind aus der Hand zu reißen. Seine Mutter wurde auch handgreiflich gegenüber mir. Dann hat er mich gefilmt und so getan als wäre ich die Böse. Er hat die Polizei gerufen, diese kam leider zu spät. Ich konnte das Kind nicht mehr halten, ich weiß nicht was er noch mit mir gemacht hätte. Dann habe ich heulend die Mutter umarmt, sie hat auch geweint, weil in Wahrheit wollte sie nicht gehen. Sie hat sich entschuldigt und hat sich bedankt. Und ist mit eingestiegen und bei dem Moment war für mich vorbei. Ich hatte den größten Heulkrampf, die Menschen dort waren sehr nett und haben sich bei mir bedankt und fanden es gut dass ich mich für die kleine so eingesetzt habe. Ja, normalerweise ist es wenn ich einmal einen Heulkrampf habe, kann ich mich nicht mehr zusammenreißen, doch irgendwie habe ich es geschafft und da bin ich auch echt stolz auf mich. Die Polizei kam dann noch und wir haben ihr das erzählt und im Endeffekt hätten sie nichts machen können, sie meinten nur die Behörden können schauen in welchen Umständen die kleine jetzt lebt aber ich wusste nicht die Adresse. 

Sie hat mir vor 2 Wochen auch schon mal angeschrieben und wollte, dass ich sie abhole, da ihr Freund droht das Kind vor Gericht wegzunehmen. Ich war schon kurz vor der Abfahrt, doch dann hat sie mir geschrieben, dass ich doch nicht kommen soll und das alles gut ist. Ja keine Ahnung sie ist leider emotional sehr von dem Idioten abhängig. 

Naja für uns ging es weiter und der nächste Step war eine Familie von einem Hostel abzuholen. Die Familie war auch von dem Osten geflohen und wussten aber jetzt nicht weiter und hatten Angst irgendwo einzusteigen. Durch einen Kontakt in Deutschland wurde der Familie gesagt, dass es bei uns Safe ist. Und so haben wir eine Mutter mit 2 Kindern abgeholt. 

Dann ging es weiter und da fing der Stress wieder an. Wir sind zu der Adresse gefahren, die uns die Stiftung gegeben hat. Ja, vor Ort war niemand, die Kontaktpersonen sind nicht ans Telefon gegangen und wir haben da gewartet und gewartet und ach ja gewartet. Bis dann ein Anruf kam, dass sie Person in 30 Min da wäre. Aber wir hatten keine Zeit mehr, wir mussten weiter. Also habe ich die Anweisung gegeben, dass wir weiter fahren, denn jeder war genervt von der Stiftung und den nicht genauen Anweisungen. 

Also sind wir zu unserer letzten Station gefahren. Das war eine Psychiatrie. Dort haben wir unsere Medizin gebracht, denn ein militärisches Krankenhaus holt die Dinge in der nächsten Woche ab. Zusätzlich haben wir auch dort ein wenig von Babynahrung gelassen, den diese Psychiatrie hat nicht nur die normalen Patient*innen, sondern sie haben auch Kinder aus dem Osten aufgenommen, die ihre Eltern verloren haben. Das finde ich sehr gut, denn dann haben sie direkt Hilfe nach so einem Verlust und einem Trauma. 

Wir haben auch dort Sachen gelassen von der Stiftung, denn wir haben gesagt sie sollten dort die Sachen einfach abholen. 

Genau der Chefarzt war super lieb und ich bin froh, dass ich ihn als Kontaktperson habe. 

Ach ja… es war nicht die letzte Station. Dann mussten wir noch in ein Krankenhaus fahren und dort Sachen von der Stiftung ablassen. Das wurde uns in Polen gesagt. Das Krankenhaus wusste gar nicht bescheid, ich habe dann mit einer Führungsposition geredet und diese wusste auch nicht bescheid, aber hat ins erlaubt die Sachen dem Krankenhaus zu übergeben, denn immerhin waren es sehr teure Sachen. 

Tja als wir auf den Rückweg waren, stellte sich heraus, dass die Sachen da nicht hin müssen. Kein wunder, dass sie nicht bescheid wussten. Ich weiß nicht wie das alles mit der Stiftung schief laufen konnte. 

Naja aufjedenfall sind wir danach dann zurück gefahren und es war schon ziemlich spät. Dann mussten wir natürlich wieder Zeit an der Grenze lassen. Doch angekommen in Polen, hatten die anderen schon Geflüchtete gefunden, die nach Deutschland mit wollten. Ich war aber Kaputt, für mich war klar: ich kann nicht weiter fahren. Also haben wir die Fahrer*innen so aufgeteilt, dass die in Polen waren und sich ausruhen konnten weiter fahren. Jedoch 1 Bus von uns hat nochmal im Hotel geschlafen. Also konnte ich auf der Rückfahrt dann schlafen. Das war sehr gut.

Wir hatten natürlich Care Pakete für die Geflüchteten gepackt, damit sie für die Fahrt etwas zu essen haben. Jedoch war da natürlich nichts vernünftiges drin und wie wir mitbekommen haben konnten sie diese Pakete nicht mehr sehen, denn so haben sie sich die ganze Zeit ernährt. Deswegen habe ich entschlossen und sie auf Mc Dondalds einzuladen. Die Augen der Kinder waren groß, sie haben sich darüber sehr gefreut. 

Nachdem sind wir weiter gefahren. Schon auf der Fahrt gab es Stress mit der Stiftung, denn da kam auf das viele Sachen, die wir abgeholt hatten wohl für eine Unterkunft gedacht war. JA das wurde uns nicht gesagt. Die Lebensmittel waren verteilt, es war unmöglich, sie zurück zu holen. 

Doch jetzt kommt das peinliche:

Sie sind zu meinen Kontaktpersonen gefahren und haben da einen Aufstand gemacht, dass alles von denen ist und sie die geklaut haben. Mir war das so unangenehm, weil meine Kontaktpersonen wussten nicht was sie tun sollten und überhaupt was da abgeht. 

Ich bin trotzdem dankbar, dass sie nur das was ich gesagt habe der Stiftung gegeben haben. Dann musste ich ein Schreiben schreiben, damit das ganze Offiziell ist. Mit der Ansprechperson der Stiftung konnte man auch nicht wirklich darüber reden. 

Am Ende haben wir uns so geeinigt, dass unser Verein ihnen ein Kaufland Gutschein Schicken, um für die nächste Tour etwas zu kaufen. 

Als dann ein paar Tage vorbei waren, dann habe ich den Geflüchteten geschrieben und sie gefragt wo sie Hilfe benötigen. Ja ich betreue sie bis heute bei Amtsterminen, Schulbesuche, Wohnungssuche etc. 

Das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Ich liebe es zu machen, doch ich muss runterschrauben, denn ich kann nicht nur ehrenamtlich arbeiten, da mein Lebensunterhalt auch gezahlt werden muss. 

Wir planen die nächste Tour für Juni. Doch die wird kleiner, denn jetzt wird der Fokus auch wieder auf Ghana gesetzt. 

Ich hoffe der Blog hat euch gefallen! 

Eure Lidia 

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