Wie war es in der Ukraine?

Als der Krieg los ging, waren wir alle geschockt und hatten natürlich Angst. Viele haben sich hilflos gefühlt, weil sie nicht wussten wie hilft man am besten. Doch wenn ich ehrlich bin, so fühle ich mich immer, denn krieg gibt es nicht nur in der Ukraine. 

Da aber Ukraine sehr nah bei uns ist und die gesetzliche Lage es gerade möglich macht Menschen zu helfen, haben wir uns sich dafür entschieden zu helfen. 

Ein Freund von meinem Papa hat viele Kontakte in der °Ukraine und ihn habe ich direkt angesprochen. Daraufhin haben wir (Papa, der Freund und ich) einer Initiative aus Essen angeschlossen, diese heißt „Lemberg wir kommen“, ich wollte sofort mit, doch das gab es erstmal eine Diskussion mit meinem Vater, da er nicht wollte das ich mit fahre. Doch wenn es um Hilfsprojekte geht, bleibe ich stur, also habe ich den Kontakt zu der Initiative alleine gesucht und ihn auch bekommen. Zwei Tage vorher hieß es also ich fahre mit. Doch jetzt wusste noch ein Bus her, denn wir brauchten Platz. Einmal für Hilfsgüter und einmal für Menschen. Das war schwieriger als gedacht, denn keine Autovermietung hat mir ein Auto gegeben, da sie nicht wollten, dass ich mit dem Auto in die Ukraine fahre. (Im Logo aber die Ukrainische flagge haben, ich liebe diese Doppelmoral von den Menschen) Es schien schon hoffnungslos, bis ich die Lebenshilfe in Wermelskirchen angerufen habe und ein super engagierter Mann das Telefon abhieb. Dieser hat ein Tag lang rumtelefoniert und es möglich gemacht, dass sie mir ein Wagen verleihen. Das wäre nämlich nicht so einfach, aufgrund der Versicherung und der Satzung der Lebenshilfe. Doch er hat sich eingesetzt und es hat geklappt. Also konnte ich den Wagen abholen und. Bis heute hilft mir der Mitarbeiter immer noch weiter. 

Am nächsten Tag bin ich zu verschiedenen Standpunkte gefahren und habe Hilfsgüter eingepackt . Dieses war alles von der Initiative in Essen geplant. Ich musste diese nur abholen. So dann am Nachmittag war der Treffpunkt um abzufahren. Am Treffpunkt waren wirklich sehr sehr viele Menschen, Busse, Lkws und Autos. Dann haben wir die Nachricht erhalten an welchen Rastplatz wir uns treffen und so sind alle losgefahren. Ich habe einen Fahrer zugewiesen bekommen, da alleine die Strecke zu fahren viel zu gefährlich wäre. Ich hatte wirklich sehr Glück und habe einen super netten Mann dabei. Wir haben uns von anhieb verstanden und er plant die nächste Reise mit. 

Dann sind wir am nächsten morgen an einer Raststätte an der polnisch und ukrainischen Grenze haben wir uns alle nochmal getroffen. Dort wurden Auto Schilder, Zettel und Armbänder verteilt. Die Leute die in Polen geblieben sind, haben dort gewartet. 

Ich bin weiter gefahren an die Grenze. 

Als wir an der Grenze waren, war dort Chaos. Das Militär war unterbesetzt. Jeder hat was anderes gesagt, viele konnten auch nicht über die Grenze, weil sie keinen Reisepass hatten. Jedoch wurde uns vorher gesagt, dass ein Personalausweis reicht. Das war dann aber nicht der Fall. 

Nach paar Stunden später konnten wir über die Grenze. An der Grenze sah man schon Zelte und geflüchtete, die zu fuß die Grenze überqueren. 

Wir sind weiter in einer Knolle gefahren, da ich und auch die anderen nicht wussten wo es hingeht, denn die Fahrer*innen wussten nicht wirklich den Plan. An den Straßen sah man dann, dass man im Kriegsgebiet. Über all waren Militärische Checkpoints. Dann nach ca. 50 Min fahrt sind wir angekommen. Es war ein leeres Hotel und dort sollten wir die Hilfsgüter ablassen. Das haben wir gemacht. Die Medizinischen Dinge kamen extra in einem LKW, dieser ist dann weiter nach Kiew gefahren. Wir hatten so viele Dinge, ich bin beeindruckt was diese Initiative auf die Beine gestellt hat. Insgesamt hatten wir Hilfsgüter im Wert von 1 Millionen Euro. Als wir die Hilfsgüter am ausladen waren, gingen plötzlich die Sirenen los. Da haben wir erstmal geschaut und gedacht und jetzt? 

Ich hatte gedacht wir gehen jetzt in einen Bunker und machen dann weiter. Aber nein wir haben weiter gemacht. Da wir davon ausgingen es ist nur ne Übung, weil es vorher auch immer in der Stadt war. Nachdem wir ausgeladen haben, waren vor Ort nur wenige geflüchtete, diese haben in einem Wagen gepasst. Dann hieß es plötzlich wir gehen essen, die Menschen wollen sich bedanken und wir müssen hier essen gehen. Das war das dümmste überhaupt, niemand wollte da essen gehen, denn es ist verschwendete Zeit im Kriegsgebiet. Aber ich konnte nichts machen, ich kannte mich nicht aus, ich hatte kein Netz. Also sind wir in die Stadt gefahren und haben vor einem Restaurant auf die Köche gewartet, damit sie aus den Bunkern kommt. 

Hier hört ihr schon wie dumm diese Situation ist. Als wir vor dem Restaurant standen kamen die Fahrer*innen ins Gespräch und uns wurde Sachen mitgeteilt, dass der Rauch den wir von da aus gesehen haben ein Anschlag gewesen ist. Wir wussten das zu den Zeitpunkt nicht, weil wir alle kein Netz hatten. Dann wurde uns gesagt, wir sollten die Armbänder sofort abziehen, weil das ukrainische Militär zu ein paar Fahrer*innen gesagt hat, dass wenn das gesehen wird vom Militär werden wir erschossen. Unser band war gelb und das heißt russisches Militär. Ja das wusste die Intitavie anscheinen nicht, wären wir in Kiew wäre es ganz schnell gegangen. Als wir dann im Restaurant saßen hatten wir Wlan und dann sind unsere Nachrichten angekommen. Unsere Familien hatten sich Sorgen gemacht, denn die Nachrichten waren voll von dem Anschlag in unserer Stadt. Wir hatten wie gesagt nichts davon mitbekommen. Man sah nur wenig Rauch am Restaurant. Ich wurde immer angespannter und fing an zu sprechen und zu sage wie dumm es ist hier zu sein, denn jeder hatte das zu den Moment gesagt. Doch wir sollten auf das Essen warten… haben wir dann das Problem war wir haben aber gedacht, dass wir auch Autos irgendwo an einem Parkplatz stehen gelassen haben, damit wir nicht mit so vielen da sind. Ich bin ja zu dem Zeitpunkt auch noch ausgegangen wir holen die noch weitere Geflüchtete an. Irgendwann bei der Hauptspeise rief jemand endlich Abfahrt. Also sind wir in die Busse gefahren, beim zurück fahren gab es wieder Probleme, da der Fahrer der vorgefahren ist, nicht mitbekommen hat, das manche Busse nicht mehr hinter uns waren und nicht jeder Bus hatte ein Funkgerät, ich auch nicht. Wir konnten aber auch nicht halten, weil ich nicht wusste wohin. Dann waren wir an der Grenze und wir hatten keine Flüchtlinge am Bord. Ich war sehr sauer, die Kontaktperson meinte dann: „Die Familien sind in die Bunker gegangen und haben nicht geglaubt, dass wirklich Hilfe kommt.“ Doch das konnte ich nicht glauben, da das Leben in der Stadt normal weiter ging. So viele Menschen waren draußen und wenn doch alles geplant war, wieso denken sie das die Hilfe verarsche ist?

Naja dann standen wir an der Grenze und es hat mal wieder ewig gedauert, unser Wagen hat noch länger gebraucht als die anderen, jedoch sind diese dann einfach weitergefahren. Mir war aber von Anfang an klar, ich fahre definitiv nicht mit einem leeren Bus nachhause. Also suchte ich nach Informationen, bis ich dann eine Adresse von einem Flüchtlingslager in Polen mitbekommen habe. Diesen habe ich auch noch in die Gruppe geschickt und ein paar sind dann dort hingefahren und haben auf mich gewartet. Dort habe ich dann die Organisation übernommen, ich bin ins Camp reingegangen. Es war ein altes Einkaufszentrum mit provisorischen Betten in riesigen Räumen. Dann war dort eine freiwillige, diese konnte zum Glück deutsch. Ich habe ihr alles erklärt und sie hat sich auf die Suche gemacht, welche Menschen nach Deutschland wollen. Ihr müsst wissen es war 2 Uhr morgens. Die Geflüchteten haben geschlafen zu diesen Zeitpunkt. Wir konnten um diese Uhrzeit 2 Familien mitnehmen. Allerdings hatten sie selbstverständlich angst mit fremden Menschen zu fahren. Ich musste da tatsächlich auch eine Träne verdrücken. Ich versuchte ihnen Mut zu zusprechen und es half. Sie hatten Angst, da soviele Männer dort waren und sie schon grausame Geschichten hören mussten. Ich war als einzige Frau dort bei unserer Organisation und konnte ihnen versichern, dass alles Safe ist. Und so sind sie mit uns gefahren. Allerdings waren noch 3 Bullis leer. Die freiwillige meinte wir sollten bis 6 Uhr warten, dann kommen welche an. Die anderen 2 Bullis waren dafür zu müde und sind nachhause gefahren. Ich habe mit meinem Fahrer im Auto geschlafen und gewartet. 

Als wir um 2 Uhr im Camp waren sind die Organisation auch gekommen. Das was ich jetzt sage hat mich sehr gestört. Sie haben Bilder im Camp gemacht, obwohl dort Schilder waren, dass man es nicht sollte. Doch das sollte eigentlich auch klar sein, das sind die Schlafzimmer der Personen und Privatsphäre. Ich habe da schließlich nicht mein Mund gehalten und habe einen gebeten das Handy weg zu tun, sowas respektloses macht man nicht.  Doch er verstand es nicht. Leider hat die Polizei das nicht gesehen, sonst hätten sie ärger bekommen. Naja viele sind nur da, um zu zeigen ich war da ich habe den Helden gespielt… 

So wir haben dann 3 Stunden gewartet, doch ich konnte nicht schlafen ich war zu angespannt. Das war die zweite Nacht die ich nicht geschlafen hatte. Um 6 sind wir dann rein gegangen und haben nochmal gefragt. Zu erst hatten wir alte Menschen, die wir mitgenommen hätten, doch dann hieß es der Initiative die haben nur Unterkünfte für Frauen und Kinder. Das wusste ich nicht, also musste ich den Menschen sagen, sie können nicht mit. Es tat mir in der Seele weh, doch die Menschen haben es verstanden und gesagt es ist kein Problem. Das war einfach unfassbar, diese Dankbarkeit. Dann ist eine freiwillige rumgegangen und wir konnten 3 Familien mitnehmen. 2 Familien kamen von einem Dorf und eine andere kamen dazu. 

Diese Familien haben sehr viel erlebt und es macht mich bis heute son wütend. 

Bis heute betreue ich sie und besuche sie und sie sind mir richtig ans herz gewachsen und ich ihnen natürlich auch. Die sind sehr dankbar und wissen gar nicht was sie sagen sollen. Ich sage immer, dass ich das gerne mache und keine Dankbarkeit brauche. 

Nachdem haben wir uns mit ein paar Fahrer*innen zusammengesetzt und uns entschieden etwas eigenes zu planen. Und so ist es dazu gekommen,  dass meine Organisation jetzt Kontakt zu einer ukrainsichen Hilfsorganisation hat und wir die nächste Evakuierung planen. Diese wird an Ostern stattfinden. 

Das ist alles so geschrieben, auf alle Details werde ich in einer Podcastfolge aufnehmen, denn da muss noch vieles angesprochen werden. 

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